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2019/ Supervisionsgruppe für Führungskräfte

Stifte Marker

Referenzprojekt:


Der Leiter des Bereichs Verpackung und Versand eines Unternehmens mit weltweit 20.000 Mitarbeitern und verschiedenen Produktions- und Servicestandorten hatte beschlossen, seine unterste Führungsebene durch eine hochwertige Qualifizierungsmaßnahme auszuzeichnen. Es war ihm wichtig, die tägliche Führungsleistung dieser Gruppe sichtbar zu würdigen und ihnen dabei eine besonders praxisnahe Qualifizierung zukommen zu lassen.


Ausgangssituation:

Die Teamleiter haben eine große Führungsspanne über einen 2-Schicht-Betrieb mit jeweils mehreren schwer zu führenden Mitarbeitern. Die Teamleiter wurden in der Vergangenheit von ihren Vorgesetzten oder in Fach- und Führungstrainings weiterqualifiziert. Generell war für das Lower Management in diesem Unternehmen bislang keine Qualifizierung durch Coaching vorgesehen.  Der Auftraggeber und ich beschlossen folgende Rahmenbedingungen:

  • Zwei Gruppen mit je drei Teamleitern
  • Für jede Gruppe sechs Sitzungen à  zwei Stunden
  • Methode: Fallsupervision in der Gruppe
  • Review: nach drei Monaten mit Teilnahme des Vorgesetzten

Die Limitierung auf drei Teilnehmer wurde bewusst gewählt, um genügend Zeit für den Einzelnen zu haben, zurückhaltende Teilnehmer nicht zu überfordern und Vertraulichkeit zu gewährleisten. Außerdem durfte das Format einen Zeitraum von zwei Stunden pro Sitzung nicht überschreiten, da eine längere Abwesenheit vom Arbeitsplatz nicht möglich gewesen wäre. Die Methode der Fallsupervision bietet den Vorteil, dass nur konkrete Themen aus dem Arbeitsalltag reflektiert werden - das Gelernte ist nicht abstrakt, sondern kann sofort angewendet werden.


Coachingprozess:

Die mit den Teilnehmern vereinbarten Ziele dieser Führungskräfte-Supervision waren:
 
  • Von den Teamleiter-Kollegen und der Supervisorin lernen
  • Sich selbst durch die Interaktion während der Supervision besser kennenlernen.
  • Verhaltensalternativen für schwierige Situationen erarbeiten, um sie in der Praxis zu erproben und in der nächsten Sitzung weiterzuentwickeln

In der Rolle der Supervisorin leitete ich die Teamleiter an, anhand von aktuellen Fällen über ihr Verhalten und die eigene emotionale Beteiligung zu sprechen. Dies konnte auch den Perspektivenwechsel in das Erleben aller an der Situation Beteiligten beinhalten. Dabei sicherte ich durch meine personzentrierte Grundhaltung die Basis für Vertrauen und erwartungsfreies Reflektieren ab. Im Schutz dieser respektvollen und akzeptierenden Gesprächsführung gaben die Teamleiter auch ihre eigenen Erfahrungen in ähnlichen Situationen weiter und schafften sich dadurch gegenseitig sehr praxisnahe Lernmöglichkeiten. Erst dann brachte ich selbst weitere Handlungsalternativen als „Theoriebeitrag“ ein. Die sich in den Gesprächen natürlich entwickelnde Interaktion zwischen den Teilnehmern bot ein zusätzliches Lernfeld für alle, welches ich durch Rollenspiele fallweise erweiterte.

Die supervidierten Fälle förderten nicht nur die Sozialkompetenz der Teilnehmer, sondern auch das strategische und unternehmerische Handeln. Anhand der konkreten Fälle klärten wir auch die Führungsrolle der Teamleiter, ihre Möglichkeiten, Aufgaben zu delegieren und schwierige Mitarbeiter zu führen. Dabei übten wir, Feedback zu geben und anzunehmen, Konfliktgespräche vorzubereiten und zu führen und darüber hinaus die Grundlagen in personzentrierter Gesprächsführung für Führungskräfte.
 

Erfolg:

Die vier Monate später im Reviewtermin von mir gestellte Frage: „Konnten Sie das Vermittelte in Ihrem Arbeitsalltag umsetzen?“ wurde zusammenfassend wie folgt beantwortet:

Die systematische und sich wiederholende Bearbeitung von Fallbeispielen führte bei den Teilnehmern zur Verbesserung der persönlichen und berufspraktischen Kompetenzen und stärkte ihr Selbstbewusstsein in schwierigen Situationen. Dabei profitierten sie gleichermaßen von den mit mir geführten Feedbackgesprächen über ihre eigenen Fälle wie auch vom Beobachten und Zuhören bei den Gesprächen der Kollegen. Die Teilnehmer sahen „ihr Coaching“ als Gewinn an und (tatsächlich!) als Anerkennung ihrer Führungsleistung. Sie hatten auch das Gefühl, momentan keine anderen Führungstrainings zu benötigen und empfahlen diese Form der berufsbegleitenden Qualifizierung für untere Leitungsfunktionen in anderen Unternehmensbereichen weiter.

Mich freute besonders, dass sie darüber hinaus beschlossen, die gelernte Supervisionsmethode in neuen regelmäßigen Treffen (ohne Coach) weiter anzuwenden.


Resümee:

Teamleiter und Teamleiterinnen in Verpackung und Versand tragen eine hohe Verantwortung, da sie eine wichtige Schnittstelle zu den Endkunden darstellen; zudem stehen sie in ihrer Arbeit meist unter hohem Zeit- und Kostendruck. Unternehmen brauchen an dieser Stelle außerordentlich belastbare und sich gegenseitig unterstützende Führungskräfte, die die Verantwortung für oftmals niedrig qualifizierte, angelernte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tragen können. Daher lohnt es sich besonders, in diese Führungskräfte zu investieren - denn was nützt das schönste Hightech-Produkt, wenn es beschädigt oder unpünktlich beim Kunden ankommt.


Birgit Fink/ 2019