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2012/ Einzelcoaching wegen cholerischer Wutanfälle

2009 Birgit Fink
Referenzprojekt:
Einzelcoaching des Geschäftsführers (GF) eines mittelständischen Unternehmens aus der Elektronikbranche. Das Unternehmen beschäftigt in der Produktion 34 angelernte Mitar­beiter(innen) und fünf Mitarbeiter(innen) in der Verwaltung, eine davon ist die Ehefrau.

Ausgangssituation für die Aufgabenstellung:
Der GF hat das Gefühl, seine Firma und vor allem seine Mitarbeiter nicht  mehr länger ertragen zu können. Seine cholerischen Wutanfälle sind für alle eine große Belastung, vor allem für den GF selbst. Seine Frau hat Angst um ihn und ist am Ende Ihrer Möglichkeiten zwischen Mitarbeitern und Chef auszugleichen. Sie hat von Ihrem Mann den Auftrag, einen Coach zu suchen. Nachdem wir uns (GF, Ehefrau und ich) bei einem Erstgespräch einig wurden, dass eine Zusammenarbeit möglich und gewünscht ist, vereinbarte der GF zehn Einzel­coaching­sitzungen.  Er setzte sich zum Ziel, alle zwei Wochen eine Sitzung von 2 Stunden, meist an Samstagen an denen keine Nacharbeiten in der Produktion stattfinden, einzuplanen. 

Der mir als Choleriker beschriebene GF war ein charmanter Herr um die fünfzig, der mir gegenüber ruhig und ausgeglichen wirkte. In den Gesprächen wurde schnell sichtbar, unter welchen Belastungen er arbeitete und welchen Druck er als der Ernährer der Familie spürte. Ihm wurde klar, wie unmittelbar der Erfolg der Firma auf ihn zurück zu führen ist und welch starke Gefühle es in ihm auslöste, wenn seine Mitarbeiter seine Qualitätsansprüche nicht verstanden und  nicht teilten. Seine Versuche, die notwendigen Qualitätsstandards in der Fertigung einzufordern und die Mitarbeiter dafür zu motivieren, scheiterten. Dies löste starke Gefühle von Ohnmacht  bei ihm aus.  In diesen Situationen spürte  er, wie sich bei z.B. Produktionsfehlern große Wut in ihm aufbaute, der er sich nicht mehr gewachsen fühlte und die „Besitz von ihm ergriff“.  Die Folge waren Ausbrüche, die er immer weniger kontrollieren konnte. Diese Wutausbrüche waren für ihn sehr anstrengend und belastend.

Coachingprozess:
Wir legten als erstes Notprogramm einen praxisnahen Bewegungsablauf fest, der es ihm ermöglichte, noch vor einem Ausbruch das Büro zu verlassen, um im Freien den eigent­lichen Sachverhalt des Ereignisses zu reflektieren und die nächsten Schritte abzuwägen

Er arbeitete in den Coachinggesprächen die Ursprünge seines Verhaltens heraus, das ihm in seiner Kindheit Vorteile gesichert hatte. Auch wurde er sich bewusst, dass er die Begabung, schlagartig wü­tend werden zu können, oft gewinnbringend hatte einsetzen können und daher in seine Persön­lich­keit integriert hatte. Er erkannte darüber hinaus, dass er in der Vergangen­heit durch ent­sprech­ende Weiterbildungsmaßnahmen in Mitarbeiterführung zwar versucht hatte, gegenzusteu­ern und warum es ihm aber dennoch nicht möglich gewesen war, das Gelernte umzusetzen. Daher erar­bei­teten wir Verhaltensalternativen, die zu ihm passten und reflektierten diese anhand von Situationen aus dem Arbeitsalltag. 

Der GF beendete das Coaching nach 12 Sitzungen a 2 Stunden, die sich über sechs Monate verteilten.

Erfolge:
Die Gespräche boten dem GF ungewohnte Ruhe zum Nachdenken. Meine Begleitung, die ihn und sein Verhalten nicht bewertete, sondern reflektierte, gab ihm die Möglichkeit, seine Wut und die Ursachen dafür kennen zu lernen, da er sich nicht verteidigen musste. Mit der Zeit rückten seine eigentlichen Qualifikationen zur Mitarbeiterführung und seine beruflichen Begabungen in den Vordergrund. Er erarbeitete sich neue Verhaltensalternativen, die ihn bei Konflikten nicht mehr seinem Temperament ausliefern, sondern den Einsatz seiner vielen Kompetenzen ermög­lichen. Dies führte zu einer Entlastung aller Betroffenen. Dadurch haben sich Betriebsklima, Arbeitsqualität und –effizienz in der Firma nachhaltig verbessert.

Birgit Fink/ 2012